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Pressemitteilung Städtisches Klinikum Veröffentlicht 30. November 2021, 15:43 Uhr

Anlaufstelle mit Wächterfunktion für junge, schutzbedürftige Patientinnen und Patienten

Kindesmisshandlung ist zwar nicht erst seit Corona ein Thema, die Zahl der betroffenen Mädchen und Jungen hat während der Pandemie aber noch einmal zugenommen. So stiegen die registrierten Misshandlungen Schutzbefohlener laut polizeilicher Kriminalstatistik im Jahr 2020 um 10 Prozent im Vorjahresvergleich, sexueller Kindesmissbrauch um 7 Prozent. Die Kinderchirurgische Klinik und die Franz-Lust-Klinik für Kinder- und Jugendmedizin möchten betroffenen Kindern im Rahmen ihres Klinikaufenthalts mit besonderen Angeboten helfen und haben hierfür im Jahr 2005 die so genannte Kinderschutzgruppe gegründet. Sie schafft Strukturen, in denen schutzbedürftige Kinder gut versorgt werden können. Jetzt wurde die Kinderschutzgruppe von der Deutschen Gesellschaft für Kinderschutz in der Medizin (DGKIM) zertifiziert.
„Wir freuen uns sehr, dass die DGKIM unser Engagement für schutzbedürftige Kinder mit der Zertifizierung gewürdigt hat“, sagt Alexandru Tocut, Assistenzarzt der Kinderchirurgischen Klinik. „Leider werden wir immer wieder mit besonderen Schicksalen konfrontiert, denen wir nicht nur mit Mitgefühl, sondern auch mit viel Know-how begegnen können.“
Für die Zertifizierung musste die Kinderschutzgruppe unter anderem nachweisen, dass ihre Mitglieder regelmäßig an so genannten Kinderschutzfällen wie körperlicher oder seelischer Misshandlung mitarbeiten, dass sie an Lehrgängen teilnehmen und dass sie ein spezielles Fachgespräch absolvieren.
„Im Klinikalltag unterstützt die Gruppe alle unsere Fachabteilungen sowie die niedergelassenen Kinderärzt*innen, in dem wir konsiliarisch zur Seite stehen und Beratung zu Diagnostik und Vorgehen im Einzelfall anbieten. Daneben stellen wir den Kontakt zu anderen Fachgruppen, z.B. Einrichtungen der Jugendhilfe oder dem Jugendamt her“, hebt Tocut hervor.
Die Kinderschutzgruppe hat sich außerdem zum Ziel gesetzt, Kinder und Jugendliche im Klinikum Karlsruhe in einem kindergerechten und multidisziplinären Setting zu betreuen, das sich nach den neusten Erkenntnissen und Leitlinien der DGKIM richtet. Dabei stehen die Kinder und ihre Familien im Mittelpunkt.
„Zu unserem Team gehören nicht nur Kinderärztinnen und -ärzte, Kinderchirurginnen und - chirurgen, sondern auch Kinderpsychologinnen und -psychologen sowie Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, weshalb wir über ein breites Fachwissen verfügen“, erklärt Tocut. „Wir haben ein hausinternes standardisiertes Vorgehen erarbeitet, das an die aktuellste Kinderschutzleitlinie angelehnt ist. Dies gibt unseren Mitarbeitenden Sicherheit vom Zeitpunkt des Erstkontakts bis zur Entlassung. Den ganzen Prozess begleiten wir im Verlauf eng.“
Geplante Untersuchungen oder Kontrollen können in den einzelnen Fachabteilungen ausgemacht werden. Die Kinderschutzgruppe ist im Notfall immer verfügbar. „Die Kindernotaufnahme des Klinikums ist ohnehin rund um die Uhr mit Fachleuten aus dem ärztlichen und pflegerischen Bereich besetzt“, betont Tocut. „Das gesamte Klinikpersonal arbeitet darauf hin, Kindern und Familien in schwierigen Zeiten zur Seite zu stehen.“

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