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Videostatement Michael Geißler Veröffentlicht 26. November 2021, 11:30 Uhr

Prof. Dr. med Geißler: USA und Deutschland kommen als schlechteste weltweit durch die 4. Welle

Die gemeinsame Pressekonferenz der Kliniken in der Region und der Karlsruher Bürgermeisterin Bettina Lisbach wurde zu einem dramatischen Appell auf zwei Ebenen. Zum einen wurde unmissverständlich deutlich, dass der medizinische Versorgungsauftrag der Krankenhäuser durch die explosionsartige Entwicklung der Pandemie aktuell gefährdet ist. Und darüber hinaus sind die Kliniken auch noch unverschuldet in eine finanzielle Notlagen geraten. Da sind Bund und Land gefordert! Gefordert ist aber auch die gesamte Bevölkerung - Maske, Abstand und Tests wird auch die Geimpften noch lange begleiten, aber entscheidend wird die Solidarität derer sein, die sich noch zu einer Impfung entschließen müssen, denn nur über eine „höhere Impfquote“, wie es Prof. Dr. Geißler deutlich machte, werde sich die Pandemie insgesamt erfolgreich bekämpfen lassen. „Im Moment sind wir in Deutschland gemeinsam mit den USA an der Spitze einer Tabelle der Länder, die am schlechtesten in der 4. Welle abschneiden.“ Es gibt nur noch sehr wenige Intensivbetten, erste Patienten werden bereits ausgeflogen, und die Prognose ist extrem: in 14 Tagen 800 belegte Intensivbetten in Baden-Württemberg, der Kollaps steht laut Prof. Geißler bevor. Wie dramatisch die Situation überall ist, zeigen die Videos der einzelnen Teilnehmer der Pressekonferenz, die wir hier auf dem Coronaportal veröffentlichen.

Prof. Geißler fordert auch sofortige Maßnahmen, welche die Kontakte deutlich einschränken: „Das Abwarten der Bundespolitik ist fast zynisch zu nennen.“ Der medizinische Geschäftsführer des Städtischen Klinikums beurteilt andererseits eine „Impfpflicht allein für Pflegekräfte problematisch, man braucht eine generelle Impfpflicht, sonst ist bei den 10 Prozent der Ungeimpften in der Pflege der Frust groß. Und wenn die weg sind, werden wir das nicht überleben.“

Susanne Stalder, Regionaldirektorin der RKH Kliniken, beklagt bei der Pressekonferenz, dass „draussen alles stattfindet, als wäre nichts geschehen!“ Drastische Kontaktbeschränkungen müssten kommen. Aktuell sei bereits die Notfallversorgung gefährdet. „Ich mag mir die Situationen noch gar nicht vorstellen, in die wir noch kommen werden."

Richard Wentges, Vorstandsvorsitzender der ViDia Christliche Kliniken Karlsruhe, betont zur wirtschaftlichen Lage der Kliniken, dass es allen Verantwortlichen angesichts der dramatischen, medizinischen Situation schwer fällt über die finanzielle Situation überhaupt zu sprechen, aber: die Nöte seien groß, Hilfe von Bund und Land ist dringend gefordert.

Caroline Schubert, Vorstandsmitglied der ViDia Christliche Kliniken Karlsruhe, berichtet bei der Pressekonferenz über die aktuelle Personalsituation: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssten bereits auf andere Stationen geschickt werden, um dort zu helfen. Das Personal selbst ist nach ihren Worten sehr belastet: „Täglich sehen sie immer mehr Menschen sterben. Das macht was mit uns!“

Jörg Schwarzer, Geschäftsführer SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach, beschäftigte sich bei der Pressekonferenz ebenfalls mit dem Thema Personal. „Wir sind stolz auf unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, sagte er und machte die Leistungen der Pflegerinnen und Pfleger für einen funktionierenden Klinik-Betrieb klar: „Krankenhaus ist Personal!“ Er wies auch darauf hin, dass viele Operationen bereits zum wiederholten Mal verschoben werden müssten, das sei ein Schock für die Betroffenen. Außerdem seien Patienten, die jetzt nicht mehr besucht werden dürfen, schwieriger als üblich zu betreuen.

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